Gestern konnte ich meinen Titel in Rappi leider nicht verteidigen. Trotzdem bin ich sehr zufrieden mit dem 2. Rang. Michael Raelert war einfach der Stärkere und somit der verdiente Sieger. Mit meiner Leistung bin ich zufrieden, blieb ich doch nur eine Sekunde unter meiner Bestzeit in Rappi. Beim Schwimmen machte Michael von Anfang an mächtig Druck und ich musste abreissen lassen. Sodann schwamm ich in der Verfolgergruppe und entstieg dem 16 Grad kalten Wasser mit eineinhalb Minuten Rückstand. Kein Grund zur Sorge, das war noch auf Schlagdistanz. Auf dem Rad fuhr ich wie gewohnt die ersten 30km Vollgas, um die Lücke möglichst schnell zu schliessen. Es gelang mir zwar rangmässig nach vorne zu fahren, auf Michael jedoch verlor ich aber weiter Zeit. Nachdem ich den höchsten Punkt in Goldingen passiert hatte, war der Rückstand fast zwei Minuten. Nun musste ich meine Energiereserve etwas bedachter einsetzen, da es noch über 60Km zu fahren waren. Bald schon fuhr ich an zweiter Stelle mit Olivier Marceau im Schlepptau. An den Steigungen machte er Druck, dafür bestimmte ich den Rhythmus auf der Fläche und auf den Abfahrten. Meine Beine brannten an den Steigungen ungewöhnlich stark an diesem Tag und das letzte wichtige Prozent fehlte mir irgendwie. Beim Wechsel auf den Lauf wusste ich, dass Michael sich den Sieg sichern würde. Wenn ich eine Chance gehabt hätte, dann nur mit Vorsprung nach dem Rad. So ergab sich ein Zweikampf um Platz 2 mit Olivier. Ich fühlte mich nicht mehr ganz so frisch, vor allem die Hitze setzte mir etwas zu. Wir liefen die ersten 9Km Schulter an Schulter. Dann bei den Stairways to Heaven bekam ich plötzlich heftige Krämpfe an beiden inneren Oberschenkeln. Ich musste also stehen bleiben und versuchte etwas zu dehnen. Der Krampf löste sich wieder etwas und ich machte mich humpelnd auf die Verfolgung. Indessen hatte ich mir aber schon einen Rückstand von einer Minute eingehandelt und ich begnügte mich schon mit Platz 3 bzw. war ich froh, überhaupt krampflos laufen zu können. Für mich sind Krämpfe aber nichts Neues, ich versuchte mich zu entspannen und so locker wie möglich zu Laufen. Ein paar Salztabletten und zwei Becher Red Bull halfen mir, diese Krise zu überstehen. Sechs Kilometer vor dem Ziel hatte ich mich wieder gefangen und setzte nochmals alles auf eine Karte, um Olivier einzuholen. Eine Stimme im mir wollte sich eigentlich mit Rang 3 zufrieden geben. Eine andere Stimme aber hatte den Drang, nochmals alles zu geben und zu leiden. Ich wollte mir auf keinen Fall den Vorwurf machen, nicht alles gegeben zu haben. So versuchte ich nochmals eine hohe Spannung in meinen Körper zu bringen, um kraftvoll laufen zu können. Es gelang mir so, pro Kilometer fast 15 Sekunden auf Olivier gut zu machen! Ich kam nochmals in ein Hochgefühl, als ich merkte, dass es noch reichen könnte. An den Stairways to Heaven, 2 Kilometer vor dem Ziel, war es dann soweit. Vorsichtig, fast spazierend kämpfte ich mich die Treppe hoch. Olivier nahm zwei Treppen auf einmal, was ihm aber enorm Kraft raubte. Kurz danach konnte ich ihn überholen und sogleich stehen lassen! Was für ein Comeback! Den letzte Kilometer getraute ich mich nicht nach hinten zu schauen, erst beim Zieleinlauf konnte ich meiner Freude freien Lauf lassen! Und die Freude war enorm! Ich war zwar "nur" Zweiter, aber diesen zweiten Platz hatte ich mir mehr erkämpfen müssen als meine letzten drei Siege. Vielen Dank für die Unterstützung an der Strecke und beim Zieleinlauf! Ich bin wirklich froh und dankbar, dass ich den zweiten Platz erkämpfen konnte.






